Konuslibelle und Frässystem nach Kleiber (Das Original)

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Arbeitsvorbereitung

Bei der Verwendung von Libellen, die das Wiederauffinden von Einschubrichtungen sehr erleichtern, benötigen Sie eine exakt waagrechte Bezugsfläche. Dies kann Ihr Fräsgerät sein oder irgendeine plane Fläche wie z.B. eine Granitkachel oder einen Dreifuß (s. Abbildung A). Mit Hilfe einer Wasserwaage lässt sich leicht und schnell z.B. eine Granitkachel durch noch weiche Silikonfüße ausrichten. Sind die Silikonfüße ausgehärtet, sollte die Kachel nicht mehr bewegt werden. Alle Einstellungen und Markierungen mit Hilfe der Libellen müssen auf der ausgerichteten Bezugsfläche stattfinden. Genau so müssen dann auch wieder auf der ausgerichteten Bezugsfläche die Einschubrichtungen aufgesucht werden. Am einfachsten ist es natürlich wenn Ihr Fräsgerät horizontal ausgerichtet ist.

Wir unterscheiden zwei verschiedene Arten von Libellen. Die eine ist die einfache Dosenlibelle, mit der man nur eine Einschubrichtung dauerhaft fixieren kann. Diese kleine gelbe Libelle ist also für Teleskop-, Geschiebe-, oder Stegarbeiten gedacht (s. Abb. B und C). Die zweite etwas größere blaue Libelle ist die Konuslibelle (s. Abb. B links). Sie ist ausschließlich für mehrere Einschubrichtungen gedacht, wie z.B. Konusarbeiten.

Die folgende Anleitung bezieht sich auf eine Konuskronenarbeit, damit die Verwendung der Konuslibelle Schritt für Schritt gezeigt werden kann. Äquivalent ist die einfache gelbe Libelle für z.B. Teleskopkronenarbeit zu verwenden.

Anleitung

Abb. 1
1. Das Auffinden der Gesamteinschubrichtung einer Konusarbeit wird auf herkömmliche Art auf einem Modellträger ermittelt, wobei auf die zierliche Gestaltung im sichtbaren Kronenrandbereich geachtet werden muss. Ist die Gesamteinschubrichtung gefunden, wird die Konuslibelle mit einer kleinen Menge Artigips auf dem Modell fixiert. Dabei muss die Konuslibelle auf ihren Mittelpunkt (Luftblase befindet sich mittig im Blasenring) ausgerichtet sein. Nun ist für die gesamte Dauer der Arbeit die Gesamteinschubrichtung leicht und schnell wieder auffindbar.

Für Arbeiten, bei der nur eine Einschubrichtung benötigt wird, reicht die einfache Dosenlibelle.

Abb. 2
2. Nach dem Aushärten des Gipses werden nun die einzelnen, in diesem Fall vier Einschubrichtungen ermittelt. Dabei darf das Modell so weit in alle Richtungen geneigt werden, wie die Luftblase innerhalb des äußeren Markierungsrings (rote Ring 5,5° Position) bleibt. Mit farblich unterschiedlichen wasserfesten Filzstiften werden jeweils die Mittelpunkte der Luftblase (verschiedene Einschubrichtungen) auf der Konuslibelle und auf dem dazugehörigen Stumpf gekennzeichnet.

Abb. 3
3. Die Luftblase im mittleren Blasenring zeigt die Gesamteinschubrichtung, die vier weiteren Markierungen zeigen die Einschubrichtungen der vier Stümpfe (dank konischer Primärkronen lässt sich dünnwandiger arbeiten!).

Abb. 4
4. Ein wesentlicher Vorteil der relativ kleinen Konuslibelle ist, dass zu Kontrollzwecken das Modell mit fixierter Konuslibelle zurück in den Artikulator gesetzt und somit die nötige Wachsmodellation kontrolliert werden kann. Schnell sind die einzelnen Einschubrichtungen wieder aufgefunden, sie gehen also nicht verloren.

Abb. 5
5. Die Primärkronen werden in ihrer Einschubrichtung in Wachs modelliert, gefräst oder geschabt, eingebettet und gegossen.

Abb. 6
6. Nachdem die Primärkronen ausgebettet und aufgepasst sind, werden die Einschubrichtungen wieder aufgesucht.

Abb. 7
7. Hier befindet sich die Luftblase auf Zahn 17 mit der roten Markierung.

Abb. 8
8. Es ist darauf zu achten, dass alle Einstellungen auf der exakt ausgerichteten Bezugsfläche aufgesucht werden. Erst dann können die Primärkronen mit Hilfe der mitgelieferten Abhebeschäfte (2,35mm Durchmesser) z.B. mit Klebewachs oder Kunststoff fixiert und abgehoben werden.

Abb. 9
9. Die fixierten Primärkronen werden nun kopfüber in den schwarzen Kunststoffsockel des Übertragungsparallelometers gesteckt. Durch diese parallele Übertragung lassen sich ganz exakt die Einschubrichtungen auf die zukünftigen Frässtümpfe übertragen. Die Innenfläche der Primärkronen müssen leicht gegen Kunststoff isoliert sein, bevor die obere Scheibe mit den Langlöchern abgesenkt wird.

Abb. 10
10. In die Magnetzylinder werden die mitgelieferten Frässchäfte von 3,0 mm Durchmesser eingeführt und soweit horizontal verschoben, dass in jede Primärkrone ein Frässchaft ragt.

Abb. 11
11. Um Luftblasen in der Primärkrone zu verhindern sollte beim Einfüllen des Kunststoffes der Frässchaft noch einmal leicht angehoben werden. Danach wird der Frässchaft wieder in den weichen Kunststoff abgesenkt.

Abb. 12
12. Nach dem Aushärten der Frässtümpfe aus Kunststoff wird die Scheibe angehoben und die 2,35mm Abhebeschäfte werden von den Primärkronen getrennt.

Abb. 13
13. Der Frässchaft mit Primärkrone kann nun in den Frässockel eingespannt werden. Dabei sollte die Primärkrone möglichst kurz mit Hilfe der Überwurfmutter fixiert werden um Vibrationen des Frässchaftes zu vermeiden. Durch die massive Bauweise des Frässockels ist ein weitgehend erschütterungsfreies Arbeiten möglich. Durch die exponierte Lage der Primärkrone besteht gute Sicht und ein guter Zugang zu den empfindlichen Kronenrändern.

Abb. 14
14. Mit Hilfe eines Auslegers, auf dem eine weitere, verschiebbare Spannzange angebracht ist, können Brücken oder auch Stege bearbeitet werden.

Abb. 15
15. Beispiele für Frässtümpfe

Abb. 16 a/b
16 a/b. Durch den guten Zugang zu den Primärkronen bieten sich Schleifkörper und Gummipolierer zur Bearbeitung an. Mit Hilfe der Abziehvorrichtung können preisgünstige Werkzeuge mit definiertem Konuswinkeln versehen werden. Der gewünschte Konuswinkel wird wie folgt hergestellt: Eine z.B. 6° Konusfräse wird in das Fräsgerät eingespannt und der diamantierte Abziehdiamant parallel zur Fräsfläche eingestellt. Über den Lichtspalt zwischen Fräse und Abziehdiamant kann die Justierung sehr exakt vorgenommen werden. Damit ist der gewünschte Konuswinkel - in unserem Fall 6° - am Abziehdiamant eingestellt. Es ist jetzt möglich, beliebig viele Schleifkörper, durch leichte Auf- und Abbewegung entlang der Diamantfläche mit dem eingestellten Konuswinkel herzustellen.

Abb. 17 a/b.
17 a/b. Übertragung des Konuswinkels vom Abziehdiamanten auf einen Gummipolierer.

Abb. 18
18. Zur Kontrolle bietet sich an die Fräsfläche der Primärkrone mit Filzstift zu bemalen und den abgezogenen Gummipolierer leicht an die Primärkrone zu führen. Sollte kein gleichmäßiger Abrieb sichtbar sein, muss der Abziehdiamant noch einmal leicht nachjustiert werden.

Abb. 19
19. Schleifkörper und Gummipolierer, die planparallele Flächen (z.B. Teleskopkronen) besitzen sollen, können ebenfalls mit dem Abziehdiamanten schnell und präzise hergestellt werden. Der Abziehdiamant wird über 90° geneigt und an das Werkzeug (hier Gummipolierer) geschoben bis ein Kontakt entsteht. Dabei muss der Schleifkörper in der festen Spindelaufnahme (nicht im beweglichen Fräsarm) eingespannt sein. Auch die Abziehvorrichtung sollte fest auf dem Magnettisch fixiert sein um jegliche Vibration zu vermeiden. Anschließend werden die Schleifkörper mit mittlerer Drehzahl laufend, bei gleichzeitiger Auf- und Abbewegung der Pinole (feste Frässpindel) an der Kante des Abziehdiamanten parallelisiert. Mittels der Verstellschraube der Abziehvorrichtung wird die Diamantkante leicht in Richtung Schleifkörper nachgeführt, um eine möglichst gleichmäßige und parallele Bearbeitungsfläche zu erzeugen.

Abb. 20

Achtung

Beim Abziehen der Werkzeuge entsteht Schleifstaub. Er kann Ihrem Fräsgerät, vor allem den Führungen schaden. Wir empfehlen, diese Teile abzudecken oder den Schleifstaub abzusaugen.

20. Beispiele für abgezogene Schleifkörper (parallel bzw. konisch)

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